Die Marquise von "O"

Schauspiel von Heinrich von Kleist
© Mark Noormann
Produktion: Theater Wahlverwandte

Kleists berühmte Novelle von Liebe und Scham und der Selbstfindung des Menschen. Ein abgelegener Landsitz in Italien, eine zurückgezogene Witwe in den besten Jahren. Der Krieg bricht über sie und ihre Familie herein, beinahe wird sie Opfer einer Vergewaltigung. Im letzten Moment kann ein junger, russischer Leutnant sie retten. Ein Engel scheint er ihr zu sein. Wochen später stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Aber von wem? Und wie? Eine ungewöhnliche Suche nach dem Kindsvater beginnt...

Es ist eine der rätselhaftesten und ungeheuerlichsten Geschichten über die Liebe und die Scham. Als Heinrich von Kleist 1808 seine Novelle „Die Marquise von O..." veröffentlichte, war die Fachwelt entsetzt, und man kann es ihr nicht verdenken: Selbst gut 200 Jahre und mehrere sexuelle Revolutionen später weiß man zunächst nicht, was man von dieser eigenwilligsten aller Liebesgeschichte halten soll. „Die Marquise von O...“ ist eine alleinerziehende Mutter von zwei Kinder und führt seit dem Tode ihres ersten Mannes ein äußerst zurückgezogenes Leben bei ihren Eltern. Sie widmet sich ganz ihren Pflichten als Mutter und Tochter. Dann bricht der Krieg über sie herein. Sie, die Pflichtbewusste, Enthaltsame, wird beinahe das Opfer einer Vergewaltigung. Gerade noch rechtzeitig kann ein junger, russischer Leutnant sie retten. Offenbar fühlen sie sich magisch voneinander angezogen. Ein Engel scheint er ihr zu sein. Sie sinkt in Ohnmacht. Wochen später stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Aber wie? Und von wem? Ihre Eltern verlangen Aufklärung über die Schwangerschaft. Ein heftiger Familienstreit entbrennt, an dessen Ende der Vater sie kurzerhand vor die Tür setzt. Auf die nächstliegende Möglichkeit kommt niemand. Um nicht wahnsinnig zu werden, klammert sich die Marquise an das Einzige, was ihr geblieben ist: das (fremde) Kind (in ihr). Und sie fasst einen ungewöhnlichen Entschluss: dem Spott der Welt zum Trotz veröffentlicht sie in der Zeitung eine Annonce, in der sie den Kindsvater auffordert, sich zu melden. Sie wäre entschlossen, ihn zu heiraten, wer immer er auch sei.
Als Kindsvater meldet sich: der junge, russische Leutnant. Die Eltern sind erleichtert, die Marquise ist erschüttert: ausgerechnet ihr Engel scheint ihr nun ein Teufel. Eine lange Zeit noch ist sie unerbittlich in ihrem Zorn auf sein moralisches Fehlverhalten. Doch schließlich siegen die Liebe und das Verzeihen. In der „Marquise von O...“ variiert Heinrich von Kleist das Grundthema aller seiner Stücke und Erzählungen: „Es muss viel Elend über die Welt kommen, damit sie glücklich werden kann." Erst der Krieg und seine Folgen eröffnen der „Marquise von O...“ den Weg ins Glück - nicht nur durch einen Emanzipations- sondern auch durch einen Selbstfindungsprozess: Die Marquise emanzipiert sich nämlich nicht nur von ihrer Familie und von der Meinung der Leute. Sie gesteht sich schließlich auch ihre über Jahre verdrängte Weiblichkeit und ihre sexuellen Bedürfnisse ein. Erst so wird es ihr möglich, in dem Leutnant den Menschen zu akzeptieren, der seinen Fehler bereut. Er ist weder Engel noch Teufel. Er ist - wie sie selbst - Mensch mit allen Unzulänglichkeiten. Zum Glück und zur Selbstverwirklichung eines Menschen gehört, so scheint uns Kleist sagen zu wollen, nicht nur die Befreiung vom Urteil Anderer, sondern auch die Bereitschaft, sich selbst so zu sehen und zu akzeptieren, wie man ist.

Mit:


© Petra Lernhard
Ursula Berlinghof

Ursula Berlinghof


© Petra Lernhard

Ursula Berlinghof wurde in Heidelberg geboren. Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Saarbrücken. Nach verschiedenen Engagements u.a. am Schauspielhaus Kiel, auf Kampnagel in Hamburg, am Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Darmstadt, Stadttheater Heidelberg lebt und arbeitet sie nun freischaffend seit 11 Jahren in München. Unter anderem ist sie seit vielen Jahren am Kleinen Theater Landshut, an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und am T:K-Theaterin Kempten zu sehen. Sie arbeitet als Sprecherin für diverse Hörbuchverlage und wirkte in vielen Fernsehproduktionen mit, darunter in SOKO und Polizeiruf 110.


© Janine Guldener
Christian Kaiser

Christian Kaiser


© Janine Guldener

...aus Zürich. Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach drei Jahren am Stadttheater Ingolstadt, zwei Jahren am Jungen Theater Casanova in Essen und einem Jahr als freier Schauspieler in München und Nürnberg, wurde er Mitglied 1989 der bremer shakespeare company, wo er fast zehn Jahre spielte und arbeitete. Jetzt wohnt er in Berlin und arbeitet als freier Schauspieler in Berlin, Bremen, Essen, Chur, Zürich und anderen schönen Städten. In letzter Zeit war er zu sehen als als der gejagte Richard Hannay in DIE 39 STUFEN nach Alfred Hitchcock am bremer kriminal theater sowie als Großbritannien in WIE EUROPA GELINGT von Katja Hensel, DER GELDKOMPLEX von Franziska von Reventlow, DER ALTE KÖNIG IN SEINEM EXIL von Arno Geiger sowie auf Tournee Pierre in DER VORNAME und auch Hubert in der Amphitryon-Adaption von Axel von Ambessers OMELETTE SURPRISE. Im Januar 2012 inszenierte er: FISCH ZU VIERT für Chur und Bremen und ein Jahr später das Stück REVANCHE MORD MIT KLEINEN FEHLERN am Bremer Kriminal Theater. Dort führte er zuletzt Regie in Ferdinand von Schirachs TERROR, das am 19. Mai 2016 Premiere hatte. Als Gründungsmitglied von THEATER WAHLVERWANDTE spielt er seit 1998 die Rolle des Otto in Goethes WAHLVERWANDTSCHAFTEN, 2000 war er Raimunds BAROMETEREMACHER AUF DER ZAUBERINSEL, seit 2013 spielt er den Vater in Kleists MARQUISE VON O. und ab 2017 den Gatten Charles in Flauberts MADAME BOVARY.


© Janine Guldener
Lisa Wildmann

Lisa Wildmann


© Janine Guldener

Lisa Wildmann wurde in Linz geboren. Nach einer Tanzausbildung studierte sie Schauspiel und Regie am Mozarteum Salzburg. Während des Studiums Engagement bei den Salzburger Festspielen ("Libussa", Regie: Peter Stein). Nach Stationen am Landestheater Linz und am Theater Bielefeld war sie von 2005-2010 Ensemblemitglied am Staatstheater Stuttgart. Hier arbeitete sie u.a. mit Volker Lösch, Jan Neumann, Annette Pullen, Stephan Rottkamp und Hasko Weber an Rollen wie Fräulein Julie, Medea und Ulrike Meinhof. Seither freischaffend, z.B. am Schauspielhaus Wien, am Theater Heidelberg, bei den Kunstfestspielen Herrenhausen und der Staatsoper Stuttgart. Mit "Die Waffen nieder!", einem Monolog nach dem Roman der Pazifistin Bertha von Suttner (Regie: Nikolaus Büchel) reist sie durch Deutschland und Österreich. Bei THEATER WAHLVERWANDTE spielt sie in der Regie von Silvia Armbruster seit 2010 „Die Legende vom heiligen Trinker" (Roth), seit 2013 die Marquise in "Die Marquise von O" (Kleist) und seit März 2017 die „Madame Bovary“ (Flaubert). Sie arbeitet als Sprecherin (SWR, ORF, Synchron), unterrichtet an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und der Theaterakademie Stuttgart und ist für Film und Fernsehen tätig.


© Weizenegger
Sebastian Strehler

Sebastian Strehler


© Weizenegger

Von 2006 bis 2010 studierte Sebastian im Fach Musical an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München und beendete seine Ausbildung mit der Rolle des Mark im Musical RENT im Deutschen Theater München (2010). Weiterhin war er von 2007 bis 2010 Ensemblemitglied beim fastfood-Theater München mit dem er 2009 Deutscher Meister im Improvisationstheater wurde. Im gleichen Jahr gewann er den 2. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang in der Sparte Chanson. Seit 2010 spielt Sebastian im Musical EIN SOMMERNACHTSTRAUM in Hannover Herrenhausen und war bis 2012 Mitglied im Musicalensemble des Theater für Niedersachsen in Hildesheim, wo er in Produktionen wie DER KLEINE HORRORLADEN, DER MANN VON LA MANCHA, DIE LETZTEN FÜNF JAHRE und GANZ ODER GAR NICHT mitwirkte. Er ist als Schauspieler wiederholt bei den Festspielen Schwäbisch Hall, im T:K-Theater in Kempten und auf Tourneee tätig, sowie als Schlagzeuger in der Hamburger Kultband TANTE POLLY. Mit dem THEATER WAHLVERWANDTE spielte er bereits im Musical LAST FIVE YEARS (Brown), in DIE MARQUISE VON O (Kleist), in MADAME BOVARY (Flaubert) und den Monolog TRAUMJOBS (von Düffel).



Regie: Silvia Armbruster
Ausstattung: Stefan Morgenstern
Rechte: Silvia Armbruster
Spielzeit: Termine auf Anfrage
Dauer: ca. 2 Std. 20 Min. (inkl. Pause)