The Kraut

Musikalischer Soloabend von Dirk Heidicke
© Kammerspiele Magdeburg
Produktion: Kammerspiele Magdeburg

Ein Marlene-Dietrich-Abend der Extraklasse! Hochmusikalisch, tragikomisch und bewegend.

Paris, Avenue Montaigne Nr.12, 1987. Freiwillig gefangen in der eigenen Wohnung und der eigenen Legende plant ein Weltstar seine Beerdigung und kramt in seinen Erinnerungen: Marlene Dietrich. Zum zentralen Thema wird dabei ein anderer Abend in Paris, der mehr als 40 Jahre zurück liegt und ziemlich genau die bisherige Lebensmitte der Titelheldin markiert. „The Kraut“ nämlich lautete der Spitzname, den Ernest Hemingway der Dietrich gab und den diese, obwohl er sonst als Schimpfwort galt, aus seinem Munde zeitlebens als Kompliment empfand. Sie selbst nannte ihn im Gegenzug „Papa“. Die Dietrich und Hemingway hatten sich 1934 bei einer Atlantik-Überquerung kennen gelernt und blieben bis zum Selbstmord des Schriftstellers eng miteinander befreundet. Die Wege der beiden kreuzten sich immer wieder – so auch im September 1944, als sie nach der Befreiung von Paris ein paar gemeinsame Tage im „Ritz“ verbrachten. Beide reisten unabhängig voneinander mit der US-Armee und bekämpften auf jeweils eigene Weise das Dritte Reich. In der Nacht nach einem Auftritt vor den alliierten Truppen gibt die Dietrich in der Hotel-Bar für ihren „Papa“, ihre Kollegen von der Truppenbetreuung und ein paar französische Freunde eine spontane Privat-Vorstellung, bei der sie nicht nur viel singt, sondern auch viel erzählt: von ihren Ängsten, ihren Zweifeln, ihrer Wut, ihrer Verachtung, ihrer Trauer und ihren Sehnsüchten. Dabei wird ein ganzes Zeitalter mitsamt seiner verschiedensten Protagonisten auf höchst selbstverständliche Weise lebendig. Sie berichtet dabei nicht zuletzt von den zahlreichen Versuchen der Nazis, sie „heim ins Reich“ zu holen – und von ihren ewigen Zweifeln, ob sie diesen Rufen nicht vielleicht doch hätte folgen sollen, weil sie auf diese Weise vielleicht mehr für ihr geliebtes Deutschland hätte tun können als sie es nun als „Captain Dietrich“ an der Front vermag. Hätte sie Adolf Hitler verführen sollen? Hätte sie ihn verführen können? Hätte Marlene Dietrich als einziger Mensch auf der Welt den Zweiten Weltkrieg zu verhindern vermocht? Ein bewegender, ein tragikomischer, ein hochmusikalischer Abend, bei dem der Mythos von Marlene Dietrich so menschlich daher kommt wie niemals zuvor.

Musik

Unter der musikalischen Leitung des renommierten Leipziger Komponisten und Pianisten Jens-Uwe Günther wird Susanne Bard (deren erster Gesangslehrer er war) einmal mehr alle Facetten ihrer musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten entfalten. Der Abend steckt nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch voller Überraschungen; denn da die Dietrich in diesem Stück nicht auf einer Bühne, sondern privat agiert, wird vom Glamour ihrer Nachkriegsauftritte nicht viel zu sehen sein. Vielmehr singt sie ihre eigenen Lieder auf sehr persönliche und mitunter höchst ungewöhnliche Weise.

Mit:


© Kammerspiele Magdeburg
Jens-Uwe Günther

Jens-Uwe Günther


© Kammerspiele Magdeburg

geboren 1941 in Magdeburg Studium Komposition, Dirigieren und Klavier an der Hochschule für Musik in Leipzig Schauspielkapellmeister / Musikalischer Leiter an den Theatern Erfurt, Weimar, Dresden und Leipzig Dozent für Musikerziehung an der Theaterhochschule in Leipzig Freischaffender Komponist Kunstpreis der Stadt Weimar 1979 / Ehrennadel des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler 1980 / 1. Preis beim Grabbe-Kompositionswettbewerb 1999 Mehr als 300 Schauspielmusiken für das Theater, Filmmusiken für DEFA und Fernsehen, 5 Kammeropern, 3 Ballette, 3 Streichquartette, eine Chorsinfonie, je 2 Konzerte für Klavier bzw. Schlagzeug und Orchester


© Kammerspiele Magdeburg
Susanne Bard

Susanne Bard


© Kammerspiele Magdeburg

Nach ihrer Klavierausbildung absolvierte Susanne Bard ein Schauspielstudium an der Theaterhochschule in Leipzig. Ihre Theaterlaufbahn begann sie 1987 an den Bühnen der Stadt Magdeburg, wechselte 1990 an die Freien Kammerspiele Magdeburg und arbeitete seit 2001 als freischaffende Schauspielerin in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Unter anderem spielte sie in dieser Zeit die Rolle der Elisabeth in „Glaube Liebe Hoffnung“, Celimene in „Der Menschenfeind“, Mephisto in „Faust“ und die Kaiserin in „Die Europäer“ in Wien. Ab 2007 war Susanne Bard Ensemblemitglied am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, wo sie in verschiedenen Inszenierungen zu sehen war und mehr als 30 mal mit ihrem Solostück „The Kraut“ über Marlene Dietrich zu begeistern wusste. Gastspiele führten sie u.a. nach Berlin, Wien, Plovdiv, Leipzig, Halle und Weimar sowie zu Festivals in Bulgarien und Zypern. Außerdem wirkte sie (insbesondere für MDR und WDR) an zahlreichen Hörspiel- und CD-Produktionen mit.



Regie: Klaus Noack
Ausstattung: Klaus Noack
Musik: Jens-Uwe Günther
Rechte: Drei Masken Verlag GmbH
Spielzeit: Auf Anfrage
Dauer: ca. 2 Std. (inkl. Pause)